2012 Namibia

Vom 5. bis 15. Oktober 2012 führten fünf aktive Mitglieder des Vereins „Kids ́ and Poors ́ Eyes International e.V.“ (Dr. Andreas Künster, Traben-Trarbach mit seinem Team M. Waxmann, H. Seiberling und E. Backes, alle Mitarbeiterinnen des Augenzentrums Mittelmosel, sowie Optikermeister Hans-Peter Platten), während ihres Urlaubs einen Arbeitseinsatz in Afrika durch und beteiligten sich auch in diesem Jahr wieder erfolgreich an einem OP-Camp im Norden Namibias, an der Grenze zu Angola.

Hier waren bis 1990, während der Zeit des südafrikanischen Protektorates, die Homelands der Schwarzafrikaner, die bis zur Erlangung der Unabhängigkeit Namibias den Süden des Landes nicht aufsuchen durften. Heute ist die Grenze, die das Land durchzieht und früher Schwarz und Weiß trennte, nur noch eine sogenannte Veterinärgrenze. Nördlich der Grenze ist das Land noch ärmlich und deutlich weniger entwickelt als im fortschrittlichen Süden. Der ehrenamtliche Einsatz erfolgte in diesem Jahr im ältesten Krankenhaus der Region, dem 102 Jahre alten Lutherischen Hospital von Onantjokwe. Die Krankenhausbetten waren ausgeräumt und auf den Innenhof ausgelagert, um die vielen Patienten in den Zimmern und auf den Fluren auf Matratzenlagern beherbergen zu können. Ein Militärflugzeug brachte die OP-Teams von der Hauptstadt Windhoek in die 900 km entfernte Landesregion. Bei der Ankunft wurden sie schon von Horden von Menschen, die von Fachpersonal vor Ort für die Operation des Grauen Stares ausgewählt worden waren, sehnsüchtig erwartet.

Die Linsentrübungen der Patienten waren meist so stark, dass die Patienten nur noch hell und dunkel sehen konnten, eine Orientierung ihnen zumeist nicht mehr alleine möglich war, noch viel weniger eine aktive Teilnahme am täglichen Leben. „Der Graue Star tritt in der Regel hier 30 Jahre früher als in unseren Breiten ein“, erklärt Augenarzt Dr. Andreas Künster, „und dies vor allem aufgrund der hohen Sonnenexposition der Afrikaner, denen die Benutzung von Sonnenbrillen in der Regel fremd ist“. „Einige Patienten hatten schon Augenperforationen erlitten, nicht selten fanden sich intraokulare Fremdkörper wie Dornen, die in der Linse steckten, alte Holzstückchen oder Metallteilchen“, wissen die OP-Schwestern Heike Seiberling und Evelyn Backes zu berichten. Dank der mobilen modernen, aus Spendenmitteln finanzierten Phakomaschine, einer Ultraschallapparatur, die es ermöglicht, die Linse im Auge mit Ultraschall zu verflüssigen, um das Auge nur mit einem kleinen Schnitt von 3 mm – im Gegensatz zu den sonst üblichen 6 mm - eröffnen zu können, war es möglich, viele Patienten mit dieser schonenden OP-Technik zu versorgen. Zudem waren auch glaskörperchirurgische Eingriffe mit diesem Gerät durchführbar. Insgesamt konnte das gesamte Team des OP-Camps, bestehend aus 6 Operateuren, unter ihnen auch ein Arzt aus den USA und eine Ärztin aus Russland, 300 Patienten operativ innerhalb des 5  Tage dauernden Camps versorgen, in dem von morgens 9 Uhr bis abends 21 Uhr Augenoperationen durchgeführt wurden, während den anderen Fachdisziplinen des Krankenhauses die OP-Räume lediglich für unaufschiebbare Notfälle zur Verfügung standen.

Während der eine Teil des Teams von der Mosel operierte untersuchte der andere Teil unter der Leitung von Optikermeister Hans-Peter Platten Schulkinder bezüglich Fehlsichtigkeiten. Das Screening wurde hierbei sehr effektiv von angelernten Helfern vor Ort und Lehrern durchgeführt, inclusive des Screenings im Vorfeld wurden so insgesamt ca. 4500 Kinder der Region gescreent. Bei Kindern mit Sehschwächen bestimmten Optikermeister Hans-Peter Platten und Marion Waxmann deren Brillenwerte und passten ihnen Brillen an. Die Kinder konnten aus einer Reihe neuer Fassungen, die von Brillenlieferanten für diesen Einsatz kostenlos zur Verfügung gestellt worden waren, das Gestell aussuchen, das ihnen am besten gefiel. Die Fassungen wurden dann mit den Werten der Kinder eingetütet, nach Deutschland zurückgebracht, wo in den nächsten Wochen Gläser eingeschliffen werden. Die fertigen Brillen werden in den jeweiligen Schulen von Optikermeister Platten wieder direkt an die Kinder verteilt werden.

Die Augen-OP-Camps in Namibia haben mittlerweile schon Tradition. 1997 wurden sie von der couragierten und agilen namibischen Augenärztin Dr. Helena Ndume ins Leben gerufen und seither mehrmals jährlich mit internationalen Teams an verschiedensten Orten im Land durchgeführt. Kids´ and Poors´ Eyes International e.V. beteiligte sich in diesem Jahr zum fünften Mal an diesen Camps. „Die Effektivität vergrößert sich von Einsatz zu Einsatz“, so die einhellige Meinung aller Beteiligten, „denn das hohe Maß an Kontinuität und Verlässlichkeit der gemeinsamen Arbeit im Land und das Wissen um die vorhandenen Defizite erlauben gleich zu Beginn des Camps eine optimale Arbeit und Hilfe vor Ort“. Selbstverständlich brachten auch in diesem Jahr die OP-Teams alle notwendigen Verbrauchsmaterialien wie künstliche Augenlinsen, Operationsgele, steriles Abdeckmaterial, Nahtmaterial und die notwendigen Medikamente neben dem OP-Instrumentarium mit ins Land. Das bedeutet eine große logistische Vorbereitung des Einsatzes bereits Wochen zuvor, weiß das Team um Dr. Künster zu berichten, das mit 14 Kisten und zusätzlichen Untersuchungs- und OP- Instrumenten im Handgepäck auch auf großes Verständnis und gute Unterstützung nicht zuletzt bei der Fluggesellschaft Air Namibia stieß.

Auch für das nächste Jahr wird das Team von der Mosel wieder von den namibischen Freunden erwartet. Im Februar 2012 hatte das Bernkasteler Team des Augenzentrums Mittelmosel unter Leitung von Dr. Thomas Schwarz einen Einsatz unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Mali durchgeführt. Allen, die diese Einsätze durch finanzielle, materielle und aktive Unterstützung vor Ort möglich gemacht haben, sei ein ganz herzlicher Dank gesagt, vor allem von den Menschen, die nun wieder sehend aktiv am Leben teilnehmen können.